Märchen die das Leben schrieb - Das Traumland
Märchen liebäugeln mit dem Leben, weisen Kindern so manche gute Lebensrichtung und können für Erwachsene eine Möglichkeit sein innere Vorgänge zu verarbeiten. „Das Traumland - Märchen vom Leben“, geschrieben von Christina Schönek sowie acht Traumreisenden, ist eine besondere Lektüre, welche von Märchen handelt, die tatsächlich das Leben zuvor geschrieben haben.
Wer als Kind das Glück hatte Eltern oder Großeltern zu haben, die allzu gerne Märchen erzählten oder doch zumindest immer wieder aus einem der vielfältigen Märchenbücher vorlasen, werden gewiss die eine oder andere Geschichte besonders in Erinnerung behalten haben. Hierbei kann aus dem kleinen schüchternen Mädchen im Traumland der Märchen die weise und mutige Prinzessin geworden sein. Oder der allzu draufgängerische Junge zum verträumten Hirtenjungen, der mit sich selbst, seiner Herde und der Natur regelrecht eins wurde, aber nach außen hin eben ganz anders den Menschen begegnete. So vielfältig die menschlichen Gedanken sind, so bunt erweisen sich auch die einzelnen Geschichten, die bei genauerer Betrachtung immer etwas Bestimmtes vermitteln oder aussagen wollen.
Ähnlich verhält es sich mit dem Inhalt des Buches „Das Traumland - Märchen vom Leben“, dessen Autoren allesamt keine Profi-Schreiber sind, jedoch in einer bezaubernden Art und Weise „ihre“ ureigenen Märchen zu Papier gebracht haben. Entstanden sind die Geschichten unter anderem durch die Teilnahme der Frauen und Männer im Rahmen von Seminaren für Persönlichkeitsentwicklung. Persönliches, Unbewältigtes, Schmerzhaftes oder auch Berührendes wurde durch das Märchenschreiben zu nachzulesenden Dokumenten dessen, dass auch als Erwachsener Märchen dazu verhelfen können besser oder intensiver mit dem Leben umzugehen.
Mich selbst haben alle dreizehn Märchen berührt. Das Buch liest sich leicht, allerdings sollte man es nicht einfach „überlesen“, denn in jeder einzelnen Geschichte ist weitaus mehr verborgen als nur das was im ersten Moment offensichtlich erscheint. „Ninifee“, aus der Feder von Christina Schönek entstanden, erzählt die Geschichte eines kleinen Mädchens, das sich oft sehr einsam und alleine fühlt und durch eine kleine Elfe erst ihren eigenen, befreiten Weg des Lebens findet. „Der Käfer mit den Punkten“, geschrieben von Cornelia Hellstern, handelt hingegen von Größe, Schönheit, Wachsen und einer besonderen Entwicklung. Auch „Die Befreiung“ von Marie Pierre Serrano ist nur für oberflächlich Lesende die Geschichte einer kleinen Ameise auf deren Schultern vieles lastet und sie unglücklich am Ende zu vielen Einsichten gelangt, die ebenfalls eine Änderung in ihrem Leben ermöglichen. Dieses Märchen im Buch wurde übrigens zu demjenigen, welches mich heute noch am meisten beschäftigt.
Drei Beispiele von vielen, die im Buch „Das Traumland - Märchen vom Leben“ auf 96 Seiten zu finden sind und durch Gedichte von Christina Schönek sowohl einen sanften Start als auch ein ebensolches Ende der Lektüre einleiten. Vielleicht mag der eine oder andere Leser nun denken, dass dieses Buch gewiss nur etwas für Verträumte oder Esoteriker ist. Dem kann ich allerdings wiedersprechen, wenn auch in fast jedem Märchen der Glaube und eine persönliche Erkenntnis eine nicht unerhebliche Rolle spielen. Ich selbst konnte in vielen der Geschichten auch in mir selbst Tiefverborgenes entdecken, nachempfinden und somit nicht nur schöne Lesestunden genießen, sondern wieder einmal über mich selbst und mein Leben nachdenken. Dass solch ein Effekt beim Lesen von „Das Traumland“ nicht ausbleibt, unterstreicht allerdings den ganz besonderen Charme dieses, zwar mit relativ wenigen Seiten ausgestatten, jedoch sehr „reichen“ Buches, auf eine wohltuende und berührende Weise.
Erschienen ist das 96 Seiten umfassende Buch im CHRISMA Verlag, kostet 15,90€ und kann über den Buchhandel erworben werden.