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Unausgesprochene Worte sagen mehr als gesprochene

PostDateIconDienstag, den 17. Mai 2011 um 07:02 Uhr |

Zuhören ist eine Fähigkeit, die leider immer weniger Menschen zu Eigen ist. Schnelligkeit, die heute allein schon durch den häufigen Gebrauch von Wörtern wie etwa „schnell, rasch, kurz“ in zahlreichen täglich gesprochenen Sätzen nachzuvollziehen ist, macht auch vor dem Zuhören nicht halt. Oberflächlich leiht man seinem Gegenüber ein Ohr - denn das andere ist bereits anderweitig mit der Aufnahme von Informationen beschäftigt. Dass hierbei im wahrsten Sinne Wichtiges und Entscheidendes verpasst wird, ungehört bleibt, Missverständnisse provoziert und so manche Beziehung beendet wird, scheint jedoch vergessen zu werden.

Zuhören, eigentlich das aktive Zuhören, ist leider viel zu wenigen Menschen mit in die Wiege gelegt worden. Hören und vergessen, nicht weiter darüber nachdenken, was ein anderer Mensch einem auch mit unausgesprochenen Worten mitteilen will, ist heute gänzlich normal. Betrachtet man sich einmal das aktive Zuhören näher, dann wird eines sehr offensichtlich: Man hört etwas, fragt nach, nimmt die unausgesprochenen Botschaften auf, kommt in ein aufmerksames Gespräch und kann den anderen nicht nur besser verstehen, sondern auch aufhören im Nachhinein seine eigene Interpretationen des Gesagten zu denken.

Letztere können durchaus fatal sein, besonders wenn man in einem Gespräch ist, dem die Grundlage tiefer Gefühle zugrunde liegt und die oftmals scheinbar nur bei einer der beiden Personen vorhanden sind. Nehmen wir an eine Frau hat täglich Kontakt mit einem Mann. Der Austausch ist intensiv, wird von Emotionen jeglicher Couleur begleitet. Sie weiß, dass sie ihn aufrichtig liebt, aber auch dass er sie nur sehr mag. Während sie ausspricht, was sie fühlt, zeigt er sich verschlossen und zurückhaltend mit bestimmten Äußerungen. Sie hingegen hält sich mit vielem zurück, um ihn nicht zu vertreiben. Nun könnte die Frau hingehen und lediglich die rasch gehörten Worte und Sätze einfach hören, feststellen, dass wohl bei dem geliebten Mann nichts außer freundschaftlichen Gefühlen vorhanden ist und sie wendet sich langsam von ihm ab. Er hingegen hört ebenfalls nur mit einem halben Ohr zu, nimmt nicht die Zwischenworte wahr, fühlt sich wiederum missverstanden und zurückgestoßen, wartet mitunter insgeheim auf ein richtiges wörtliches Signal und wendet sich ebenfalls ab. Dass hier einer möglichen jungen und frischen tiefen Beziehung wohl kaum mehr die Chance zur Entfaltung gegeben wird, lässt sich leicht nachvollziehen.

Ähnlich verhält es sich im Berufsleben. Besonders häufig werden die unausgesprochenen Worte nicht mehr wahrgenommen, Informationen rauschen an einem vorbei, der Gegenüber wünscht sich mitunter ein intensives Nachfragen, wird allerdings durch das nicht vorhandene aktive Zuhören falsch oder gar nicht verstanden - und die berufliche Beziehung, ja mitunter eine hoffnungsvolle Karriere, geht nach zu nach den Bach hinunter. „Eigentlich brauche ich einen fähigen Mann oder eine fähige Frau auf die ich mich hier im Geschäft zu 100% verlassen kann“, so die Worte eines Chefs oder Vorgesetzten, können bei einem richtigen und aufmerksamen Zuhören beispielsweise dazu führen, dass man sich selbst in dieser gewünschten Position sieht und das Angebot unterbreitet, gerne mit allen persönlichen Fähigkeiten, Stärken und auch Schwächen das Rückgrat des Chefs sein zu wollen. Nur selten wird hier ein Gespräch enden, hingegen zu weiteren Gesprächen und Planungen führen, die ohne ein aktives Zuhören wohl kaum eine Chance gehabt hätten.

Ob beruflich oder privat - das aktive Zuhören vermag sehr vieles, wenn man nur bereit ist sich darauf einzulassen und nicht jeden Tag die Schnelligkeit und Oberflächlichkeit des Zuhörens zu praktizieren. In der Kombination mit dem aufmerksamen Beobachten der Körper- und Augensprache eines Gesprächspartners, dem Hinterfragen von zweideutigen Aussagen oder nicht richtig verstandenen Worten, können viele Beziehungen (sei es im Beruf oder im Privaten) eine neue Basis finden, die oft neue Wege beschreiten lässt, welche sonst nicht möglich gewesen wären. Übung macht auch bei dem Thema aktives Zuhören den Meister, nicht zuletzt auch dann, wenn man es nie in seiner intensivsten Form kennen gelernt hat. Dass es sich lohnt etwas Zeit in ein Gespräch zu investieren, wird in der Regel fast unmittelbar durch neue Erkenntnisse oder Verbesserungen in den jeweiligen Beziehungen oder in der eigenen Karriere zutage befördert.

Auch wenn man keine Garantie hat, dass durch ein verändertes Zuhör- und Gesprächsverhalten nur positive Folgen entstehen, sollte man sich durchaus mit diesem Thema in Form täglicher Übungen langfristig beschäftigen. Denn: Mit verlaufender Zeit muss man nicht einmal mehr darüber nachdenken wie das mit dem aktiven Zuhören geht, denn die neue Sensibilität wird zu einem Teil der eigenen Persönlichkeit. Ich wünsche Ihnen bei Ihrem „Training“ auf jeden Fall viel Erfolg!

 

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